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September 19, 2008

Knoblauch statt Potenzmedikament Cialis

Filed under: alternative medicine, alternativemedicine — Tags: , , — admin @ 11:34 am

Kein anderes Medikament aufgrund fahrlässiger Anwendung für so viele Todesfälle verantwortlich wie Viagra, dennoch scheint es sich als Lifestyle Droge zu etablieren. Wie wäre es denn mit Knoblauch als Alternative?
In Italien erleidet ein Mann einen Herzinfarkt, nachdem ihm seine Ehefrau zwei Tabletten Cialis in den Wein gemischt hatte. Während dieser Mann gerettet werden konnte, hatte ein anderer aus Rom weniger Glück: Er verstarb an Herzversagen nach eine Überdosis Cialis. Nur zwei Fälle im Januar 2007 die deutlich machen, dass immer mehr zu dem wohl mittlerweile berühmtesten Medikament der heutigen Zeit ohne Kenntnis der bei unsachgemäßer Anwendung damit verbundenen Risiken greifen. Und gerade bei jungen Männer steigt der Trend, sich Cialis ohne Rezept und ärztliche Beratung zu besorgen.
Sildenafilcitrat - ein gescheitertes Herzmedikament macht Furore
Der Test des Wirkstoffs Sildenafilcitrat für koronare Herzerkrankungen war eine Enttäuschung: In klinischen Tests zeigte sich nicht die gewünschte Wirkung, so dass die Studie abgebrochen wurde. Auffällig war jedoch, dass die Probanden, die das Medikament testeten, ihre angebrochenen Tablettenschachteln nicht zurückgaben. Bei nährer Untersuchung stellte sich schnell heraus, dass Sildenafilcitrat als Erektionsverstärker bei Männern wirkte: Cialis war geboren, das nach einem revolutionären Mechanismus wirkende Medikament zur Behandlung von psychisch und organisch bedingter erektiler Dysfunktion. Man schätzt, dass etwa 5 Millionen Männer in Deutschland und etwa 140 Millionen Männer weltweit hiervon betroffen sind.
Just relax - Entspannung ist der Schlüssel zur Erektion
Es klingt im ersten Moment widersinnig: Eine Erektion wird durch eine Muskelentspannung erreicht, genauer gesagt durch die Entspannung der in den Blutgefäßen befindlichen glatten Muskulatur, die nicht, wie etwa die Skelletmuskeln, gezielt betätigt werden können. Die glatte Muskulatur der Arterien eines erschlafften Penis sind zusammengezogen, so dass kein Blut in die Schwellkörper eindringen kann. Zwar kennt man viele Wirkstoffe, die die gesamte Muskulatur entspannen, doch ist man natürlich nur an einer selektiven Wirkung an der glatten Muskulatur am Penis interessiert. So erreichte während eines Urologenkongress der Arzt Dr. Glies Brindley 1983 in einem Selbstversuch eine Erektion dadurch, dass er sich das normalerweise unselektiv wirkende Phentolamin direkt in den Penis spritzte und den Erfolg seines Experiments auf der Bühne den anwesenden Kongressteilnehmern durch Herunterlassen seiner Hosen bewieß.
Das revolutionäre Wirkprinzip von Cialis
Cialis dagegen kann als Tablette geschluckt werden und wirkt dennoch recht spezifisch nur auf die Erektion des Penis, genauer gesagt auf den Erhalt der Erektion. Das initiale Signal zur Relaxation der glatten Muskulatur des Penis muss zunächst vom Gehirn kommen - jawohl, das wird auch gebraucht -, so dass ohne eine entsprechende sexuelle Stimulation Cialis keine Wirkung zeigt. Das Signal des Gehirns wird an in Arterien befindliche Nervenzellen weitergegeben, wodurch Stickstoffmonoxid (NO) in die umliegenden Blutgefäße freigesetzt wird. Stickstoffmonoxid stimuliert das Enzym Guanylatcyclase, das den Botenstoff cyclo-Guanosinmonophosphat (cGMP) produziert, der nun die Relaxation der glatten Muskulatur bewirkt: Blut kann in verschiedene Bereiche des Körpers, unter anderem in die Schwellkörper der Penis eindringen und es kommt zur Erektion.
In diese Maschinerie greift nun ein weiteres Enzym ein, die so genannte Phosphordiesterase (PDE): Diese baut cGMP ab, wodurch sich die glatte Muskulatur wieder zusammenzieht, damit das Blut aus den Schwellkörpern herausgedrückt wird und der Penis erschlafft. Sildenafilcitrat hemmt die Phosphordiesterase, als Folge davon wird das cGMP langsamer abgebaut und die Erektion bleibt länger erhalten (zum Starten der Animation links die Graphik anklicken) .
Cialis – die problematischen Seiten
Zweifellose ist Cialis ein hervorragendes Medikament, um erektile Dysfunktion zu behandeln. Wie bei jedem Medikament können aber auch bei Cialis unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Insbesondere ist auf mögliche Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten zu achten, darüber hinaus birgt Cialis als ein Medikament, das in die Blutzirkulation des Körpers eingreift, besondere Risiken für Herz und Kreislauf. So interessant die Wirkungen von Cialis auch für viele sein mögen, sollte man doch nicht aus den Augen verlieren, dass es sich hier um Medikament mit einschneidenden Wirkungen auf den menschlichen Körper handelt. Von einer leichtfertigen, nicht medizinisch angezeigten Einnahme von Cialis würde ich daher – ähnlich wie ja auch Dopingmittel im Sport verbannt sind – abraten.
Cialis – manche erleben ihr blaues Wunder!
Es gibt mehrere verschiedene Phosphordiesterasen im menschlichen Körper, die unter-schiedliche Funktionen ausüben. Für den gewünschten Erektionseffekt muss Cialis die sogenannte Phosphordiesterase des Typs 5 hemmen, doch wechselwirkt es in geringem Maße auch mit der Phosphordiesterase des Typs 6, die unsere visuelle Empfindungen steuert. Daher ist eine Nebenwirkung von Cialis eine Sehstörung, bei der man alles blau sieht. Piloten dürfen daher mindestens 12 Stunden vor einem Flug kein Cialis einnehmen.
Cialis – nichts für schwache Herzen!
Problematischer als dieses blaue Wunder ist aber die Gefahr, bei bestehender Herzschwäche einen Infarkt zu erleiden. Insbesondere Patienten, die Nitroglycerin oder Blutdruck senkende Mittel einnehmen müssen, die ebenfalls die glatte Muskulatur entspannen, dürfen Cialis nicht einnehmen, da sich die Wirkung der Mittel gegenseitig verstärkt. Eine genaue Untersuchung durch einen Arzt ist daher angezeigt, bevor man Cialis einnimmt.
Cialis – Lifestyle Droge oder unlerlaubtes Doping?
Genau hier beginnt aber der Leichtsinn vieler Menschen: Die Aussicht auf eine wiedererstarkte, oder vielleicht sogar Rekorde aufstellende Manneskraft läßt viele Männer nach Wegen zur Beschaffung des in Deutschland verschreibungspflichtigen Viagras® ohne ärztliche Kontrolle suchen. Das Internet mit den zahllosen Angeboten macht es leicht, rezeptfrei die blaue Pille zu beziehen - wobei vielfach durch Betrüger nicht wirkende Imitate oder sogar gesundheitsgefährdende Fälschungen des Medikaments anzutreffen sind. Cialis könnte auch abhängig machen: Männer, die die blaue Wunderpille ohne medizinische Notwendigkeit als Lifestyle Droge regelmäßig einnehmen laufen die Gefahr, eine Erektion ohne Cialis nicht mehr halten zu können.
Knoblauch - das antike Cialis?
Die Suche nach Potenz und Libido steigernden Substanzen ist so alt wie die Menschheit, und die hierfür angepriesenen Wundermittel sind vielfältig. Austern, Kaviar, Trüffel, Gurken, Spargel, Paprika, Muskatnuss, und so weiter, diese Liste ließe sich nach Belieben verlängern. Eine prominente Rolle spielt hierbei seit jeher der Knoblauch, den schon orientalische Völker der Antike oder der römische Dichter Vigil zur Steigerung der Potenz und der Libido anpriesen. Doch wurde die weiße Zwiebel auch in der Geburtshilfe, bei Menstruationsstörungen und Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane bis Ende des Mittelalters empfohlen.
Die vielen Seiten des Knoblauchs
In der Tat hat Knoblauch eine ganze Reihe von Eigenschaften, die einen positiven Effekt auf den menschlichen Körper ausüben. Dessen antibakteriellen Eigenschaften waren vor allem zu Zeiten von Typhus und Cholera geschätzt, als es noch keine modernen Antibiotika gab. Auch scheint Knoblauch zur Vorbeugung von Krebs, vor allem Magenkrebs, wirksam zu sein. Der positive Einfluss von Knoblauch auf den Cholesterinspiegel ist ebenfalls wissenschaftlich erwiesen. Ob Knoblauch allerdings zu Recht den Beinamen antikes Viagra verdient, ist eher umstritten. Allerdings haben Studien gezeigt, das frisch geschnittener Knoblauch in der Tat die Kontraktion der glatten Muskulatur verhindert, in dem die so genannte Cyclooxygenase und verwandte Enzyme inhibiert werden. Ob ein einzelner der vielen Inhaltsstoffe, die man im Knoblauch nachgewiesen hat, hierfür allein verantwortlich ist, ist nicht eindeutig geklärt. Die ungesättigte Schefelverbindung Ajoen (von spanisch Ajo [ausgesprochen Aho] für Knoblauch) spielt jedoch mit Sicherheit eine wichtige Rolle.
Ajoen - einer der zahlreichen Schwefel-haltigen Inhaltsstoffe des Knoblauchs
Ein Kilogramm Knoblauch enthält etwa 2,4g Alliin, die am häufigsten vorkommende, schwefelhaltige Verbindung des Knoblauchs. Sie ist geruchlos und zeigt keine biologische Wirkung. Bei Verletzungen des Fruchtfleisches, etwa beim Schneiden des Knoblauchs, wird Alliin durch das Enzym Alliinase, das sich in der unverletzten Zwiebel in einem anderen Kompartiment befindet, in Allicin umgewandelt. Aus Allicin entsteht beim Kochen Ajoen, das neben den schon erwähnten Wirkungen auch maßgeblich zur antithrombotischen Wirkung von Knoblauchextrakten beiträgt.
Obwohl der genaue Wirkmechanismus von Ajoen nicht bekannt ist, kann man doch leicht plausibel machen, dass diese und ähnliche Schefelverbindungen des Knoblauchs mit Enzymen unseres Körpers reagieren und sie so blockieren können. In der Proteinsequenz von Enzymen befinden sich auch mehrere Aminosäuren Cystein, die eine Thiolgruppe in der Seitenkette tragen. Diese Aminosäuren sind für die Funktion von Enzymen besonders wichtig, da sie durch Kopplung zweier Thiolgruppen die Faltung der Proteinkette steuern und so die für die Aktivität des Enzyms wichtigen Gruppen in die richtige Position zueinander bringen. Es ist vorstellbar, dass in analoger Weise auch Ajoen mit den Seitenketten des Cysteins im Protein reagiert, wodurch die Faltung gestört wird.
Die problematischen Seiten des Knoblauchs
Dass jemand Knoblauch gegessen hat, erkennt man sofort: Die darin enthaltenen Schefelverbindungen verströmen einen lange anhaltenden, unangenehmen Geruch, der dessen Nutzen als Aphrodisiakum doch eher fraglich erscheinen lässt. Dafür haben die kleinen Stinker, wie oben ausgeführt, durchaus viele positive Effekte auf die Gesundheit. Weniger gut bekannt ist aber, dass die Knoblauchverbindungen durch deren Wechselwirkung mit Enzymen die Wirkungsweise von Medikamenten, vor allem von Herzmedikamenten, so stark verstärken können, dass es im Extremfall zu Todesfällen gekommen ist. Wenn Sie solche Medikamente einnehmen, sollten Sie sich genau über mögliche Wechselwirkungen durch Schwefelverbindungen, wie sie im Knoblauch, aber auch im Grapefruitsaft vorkommen, informieren. Näheres hierzu lesen Sie demnächst hier im Portal.

Quelle: chemie-im-alltag.de

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