Medikament Ritalin mit dem Wirkstoff Methylphenidat steht bei jungen Akademikern
Immer häufiger konsumieren Studenten Medikamente, um ihre Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen und in Klausuren und Prüfungen besser abzuschneiden, so das Magazin Handelsblatt Junge Karriere. Vor allem das Medikament Ritalin mit dem Wirkstoff Methylphenidat steht bei jungen Akademikern hoch im Kurs – ein Trend mit gefährlichen Folgen.
Ritalin, benannt nach der Frau des Erfinders Panizzon, fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und wird vorwiegend gegen Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen wie ADHS verschrieben. Nach Angaben der Bundesopiumstelle hat sich der Absatz von Ritalin in Deutschland im letzten Jahrzehnt beinahe verzehnfacht. An dieser erschreckend hohen Zahl sind Studenten nicht ganz unbeteiligt. Insbesondere Jura- und Medizinstudenten, bei denen der Leistungs- und Konkurrenzdruck überdurchschnittlich hoch ist, konsumieren Ritalin in größeren Mengen. „Dem erhöhten Wettbewerbsdruck in der Gesellschaft wird begegnet, indem man zu solchen Substanzen greift“, erklärt Isabella Heuser, Psychotherapeutin an der Berliner Charité gegenüber Welt Online.
Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Uni-Klinik Göttingen, machte in diesem Zusammenhang eine erstaunliche Beobachtung: Im Gegensatz zu den Spaßdrogen der letzten Jahrzehnte wie LSD, Kokain oder Ecstasy ist Ritalin „die Droge für die Pflichterfüller-Generation“. Erstmalig wird nun eine Droge konsumiert, um den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden. Professor Hüther nennt das „Vernunftsdroge“.
Wie verheerend sich der Konsum von Ritalin auf Körper und Geist auswirken kann, hat ein Philosophie-Student im Selbstversuch getestet. Bis zu seinen Abschlussprüfungen hofft er, mithilfe von Ritalin etwas „Stille in [s]einem Kopf“ zu bekommen, denn er leidet wie so viele unter Konzentrationsproblemen. Schon kurz nach der ersten Einnahme fühle er sich sehr konzentriert und auch wenn Ritalin seine Arbeitsmoral nicht stärke, so helfe es ihm dennoch, sich von nichts und niemandem mehr ablenken zu lassen. Seinen effektiven Lerntag in der Bibliothek kommentiert er mit den Worten „Ja, ich bin ein Zombie, aber ein Zombie, der lernt wie eine Maschine“. Auch seine Freunde bemerken eine deutliche Gemüts- und Verhaltensänderung an ihm, er sei aggressiver, lebhafter und etwas anstrengend geworden. Mitten in seinem Selbstversuch gibt der Student zu, sich zu gefallen, wenn er Ritalin genommen hat. Wie so oft bei Medikamentensucht sei das Problem, dass man den Zeitpunkt verpasse, „an dem man die Kontrolle verliert“.
Sein Fazit des Experiments: „Wer sagt, Ritalin helfe nicht, lügt. Es schlägt nicht bei jedem an, aber aus mir hat es den Studenten gemacht, der ich sein sollte: hellwach, fokussiert und diszipliniert. Und einen Menschen, der ich nicht sein will: zwanghaft und unentschlossen. Ich habe meine Freunde gefragt, ob sie mich verstehen. Sie fragten zurück, ob ich noch welche von den Pillen übrig habe.“